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MICHAEL NASTS BUCH “GENERATION BEZIEHUNGSUNFÄHIG”
REGT ZUM UMDENKEN AN!

 

Mittlwerweile sind es fast 170 000 Likes, 178 Kommentare und weit über 7500 Shares. So viel Resonanz hat Michael Nasts Blogbeitrag über uns Mittdreißiger für das Online-Magazin Im Gegenteil seit seiner Veröffentlichung vor einem Jahr erhalten. Seit 15. Februar dieses Jahres ist nun auch sein Buch zu diesem Thema erschienen. Ich stolperte nur zufällig über den Artikel, aber die Überschrift fesselte mich sofort, als wärs die Schlagzeile schlechthin:

Generation Beziehungsunfähig”

Klatsch, ich fühlte mich sofort angesprochen.

Und tatsächlich, Michael Nast hatte mich schon bei seinem ersten Absatz:

Es gibt immer mal wieder Momente, in denen ich mich frage, wie mein Leben aussehen würde, wenn ich an bestimmten Punkten meines Lebens andere Entscheidungen getroffen hätte. Es sind diese „Was wäre, wenn“-Momente, in denen ich mir mich in einer anderen Version meines Lebens vorstelle […]

Denn klar, diese Momente gibt es auch bei mir in letzter Zeit immer häufiger. Ich bin ja schließlich auch so ein Thirty-something. Da hat man schon einige gescheiterte Beziehungen hinter sich. Hauptsächlich sind es in meinem Fall aber die oft endlos scheinenden und sich immer länger ausdehnenden Singlephasen zwischen den jeweiligen Beziehungen die mir diese “was wäre wenn” Momente verschaffen. Ich frage mich oft, wieso ich mir immer weniger Zeit für diesen ganzen “Beziehungskram” nehme und mich immer häufiger in meine Projekte vergrabe, anstatt mich, keine Ahnung, zum Beispiel auf ein Date zu begeben? Habe ich womöglich schon resigniert? Nimmt mich mein Projekt “Selbstoptimierung”so sehr in Anspruch, dass mir einfach die Zeit fehlt um mich auch noch intensiv mit jemand anderen auseinanderzusetzen? Habe ich mich bereits im Club der Beziehungsunfähigen eingeschrieben und es vor lauter “so much to do” nicht einmal bemerkt? Michael Nast erklärt dieses neumodische Phänomen jedenfalls damit, dass wir in der heutigen Zeit alle einer Idealvorstellung hinsichtlich uns selbst, dem Job und dem Partner hinterherjagen. Ein Idealbild dass es so natürlich nicht geben kann.

Wir wissen, dass alles noch viel besser werden kann. Bis es perfekt ist. Das Problem mit dem Perfekten ist allerdings, das man diesen Zustand nie erreicht.” (M. Nast, Generation Beziehungsunfähig, Seite 75)

Da hat er mich ertappt. Ich gestehe, auch ich dachte früher oft (und tu es heute noch ab und an) “Da kommt bestimmt was Besseres…” Während unsere Eltern noch Beruf und Familie strikt voneinander trennten, sind wir heute auf der Suche nach unserer wahren Berufung. Unser Job soll unsere Talente und privaten Interessen widerspiegeln, die Grenzen zwischen Beruf und Privatem verschmelzen demnach immer mehr. Aber der Selbstverwirklichungsprozess verschlingt nicht nur enorm viel unserer Zeit, sondern verlangt auch unsere ganze Leidenschaft von uns ab. Der dazugehörige Partner – bzw. Nummer Zwei auf unserer Prioritätenliste – soll dann idealerweise in diese Weltanschauung reinpassen, sie verstehen (Kann leider heißen: Begreif doch, ich habe keinen Nerv auch hier noch unnötig viel Leidenschaft und Energie reinzupulvern. Aber ich brauch dich, damit du mir die nötige Energie für meine Projekte lieferst) oder gar selber leben (Heißt oft: Ein Partner, der selber an seinem “Ich-Projekt” arbeitet. Gemeinsame private Überschneidungen werden hier zumeist etwas leichtsinnig als Partnerschaft deklariert) Ich war einmal so frei, das Beziehungsdilemma unserer Generation etwas überspitzt darzustellen, aber im Endeffekt läuft alles darauf hinaus, dass wir Mittdreißiger uns oft auch noch für zu jung halten, um ernsthafte beständige Bindungen aufzubauen. Denn aufbauen steht für Einsatzbereitschaft, Interesse, Engagement, aufeinander einlassen und eben Zeit. Und etwas mit jemandem aufbauen, kann man doch später auch noch. Da kommt wieder Michael Nasts Buch ins Spiel, der hat dazu nämlich folgenden alarmierenden Satz parat:

“Wenn man sich jünger fühlt, als man ist, und auch das entsprechende Leben führt, beginnt einen irgendwann der Körper mit einer gewissen Konsequenz an sein physisches Alter zu erinnern.” (M. Nast, Generation Beziehungsunfähig, Seite 109)

Klingt einleuchtend oder? Denn genau das ist es, was ich mir schon länger denke. Glauben wir denn wirklich alle dass wir ewig Zeit hätten? Denn nein, die haben wir eben nicht. Wir müssen deshalb auch nicht gleich hergehen und die oder den Erstbeste/n heiraten. Oder unliebsame Brotjobs ausüben, nur um unsere Familien zu ernähren. Denn ja, wir dürfen auch gerne einer Berufung nachgehen und gleichzeitig glückliche Beziehungen führen, aber verflixt nochmal, wir sind doch jetzt langsam wirklich alt genug um Kompromisse einzugehen und die richtige Balance zwischen unseren Selbstverwirklichungsprozessen und unserern Beziehungen zu finden. Ich will es zumindest glauben, denke allmählich um und bin da ganz bei Michael Nast wenn er von “inflationär gestellten Eigendiagnosen” spricht und meint, dass Beziehungsunfähigkeit für viele nur als Ausrede dient, um den einfacheren (eingleisigen) Weg zu gehen.

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