SELBSTREFLEXION | WAS WIR AUS DER CORONA-KRISE LERNEN KÖNNEN

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Viel zu oft sind wir im Alltag im Außen. Äußere Impulse lenken uns ab. Wir verlieren uns in den Problemen anderer, in unserer Arbeit, in unseren Tablets, PC´s, Fernsehern, Smartphones und Spielekonsolen. Genaugenommen wandert unsere Aufmerksamkeit ständig von uns weg. Die heißen Sommermonate trugen ihr Übriges dazu bei. In ihnen haben wir unser Leben nach außen verlagert. Doch jetzt, da der Sommer sich allmählich verabschiedet, und wir unseren Lebensmittelpunkt wieder mehr nach innen verlagern, können wir „abkühlen“. Die dritte Jahreszeit steht seit jeher für Rückzug, Erholung und Besinnung auf uns selbst. Man kann auf das Jahr zurückblicken und sein Resümee ziehen. Seine Ernte einfahren. Gerade nach den turbulenten Corona-Monaten, wäre dies sogar wichtiger denn je. Corona machte uns zu Getriebenen, zu mehr oder weniger fremdbestimmten Wesen. Zum Innehalten fehlte die Zeit. Vieles wurde verdrängt, doch nur weil uns gewisse Dinge nicht bewusst sind, heißt das nicht, dass sie nicht auch da sind. Unser Unterbewusstsein agiert wie ein Schwamm. Ein Schwamm, der ständig damit beschäftigt ist, Sinneseindrücke und Informationen in sich aufzusaugen. Manchmal sind wir schon so vollgesogen mit Fremd-Eindrücken, dass wir eine Art „Entrümpelung“ vornehmen müssen, um wieder klar und selbstständig denken zu können. Selbstreflexion hilft uns dabei und feuert die Persönlichkeitsentwicklung an. Denn wer den Blick ständig nach außen richtet, handelt womöglich schon längst nicht mehr, nach seinem eigenen Wertesystem. Daher möchte ich euch heute darauf aufmerksam machen, welche enorme Chance diese Krise eigentlich für uns bietet. Unser Verhalten in ihr, verrät uns viel über uns selbst. Und der Herbst ist nun die beste Zeit, um das Geschehene der vergangen Monate zu analysieren.

RÜCKBLICK

Als sich die Lage im März zuspitze, hieß es Handeln. Ein Lockdown wurde verhängt. Viele Firmen kamen ins Strudeln. Mussten reagieren. Mitarbeiter gingen ins Homeoffice. Wurden in Kurzarbeit geschickt oder gar gekündigt. Eltern sahen sich damit konfrontiert, ihre Kinder zu unterrichten. Dinge mussten organisiert werden. Im Hinterkopf – Die Virusgefahr. Keiner wusste, was auf uns zukam. Die ersten Tage agierten wir wie Roboter. Allmählich kehrte bei einigen die Ruhe ein. Sie waren daheim. Während sich andere um ihre Existenz sorgten, sorgten sich wieder andere, auf der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, wie sich der Kontakt mit Kunden auswirken würde. Die Bilder aus Italien hallten in den Hinterköpfen der Menschen nach. Etliche fingen an, sich mit der Situation zu arrangieren. Sie begannen die Zeit daheim zu genießen. Arbeiteten im Garten oder widmeten sich Heimwerkerprojekten. Es folgen Pressekonferenzen. Nahezu täglich wurden neue Regeln verkündet. Bürger mussten gleichermaßen verängstigt, wie vertröstet werden. Ein Bonus für das weiterarbeitende Volk würde kommen. Aber der Virus ist gefährlich. 100.000e Tote soll es geben. Dennoch – „Euer Heldentum wird belohnt werden!“ Und die Zeit verstrich. Die ersten Lockerungen traten ein. Selbstständige fuhren ihre Geschäfte wieder hoch. Regelkonform. So gut es ging. Der große Umsatz blieb noch aus. Zu viele Bürger sorgten sich. Blieben zu Hause. In Sicherheit…

Ihr wisst wie die Geschichte weitergeht. Es folgte ein durchwachsener Sommer. Als die Zahlen wieder stiegen, wurden Reisewarnungen ausgerufen. Das Volk spaltete sich zusehends. Auf der einen Seite die „Gefährder und Verharmloser“, auf der anderen Seite „die Schafe“. Erste Rufe nach Entschädigungen wurden lauter. Auch da spaltete sich das Volk. Warum bekamen die einen mehr, und die anderen weniger? usw. Und täglich das Angstspiel der Medien. Zusätzlich – Die größte Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkriegt. Ausmaße, von denen wir höchstens aus den Geschichtsbüchern gelesen haben. Und nun sind wir mittendrin. Täglich folgen neue Hiobsbotschaften. Kein Tag ohne Zahlen, Bilder, Grafiken, neuer Vorschriften und Kontrollen. Die Proteste rundum werden lauter. Und sukzessive rückt die Zeit – vor diesem ganzen Horror – in den Hintergrund. Denn Fakt ist, die letzten Monate waren hart! Für uns alle. Für das Volk im Allgemeinen. Ja – genaugenommen für die ganze Welt. Die meisten von uns sind nun mal keine Ärzte, und schon gar keine Virologen. In den letzten Monaten waren wir überwiegend dazu gezwungen, uns von anderen abhängig zu machen. Und das hinterlässt Spuren. Unser Leben ist seit geraumer Zeit noch fremdgesteuerter als sonst. Wir sind ständig dazu verpflichtet, uns im Rahmen gewisser Normen zu bewegen. Aber seit März 2020, haben wir ein wirklich beträchtliches Stück Willensfreiheit abgegeben. Außerdem möchte keiner von uns als Bösewicht abgestempelt werden. Also verhalten sich viele – entgegen ihrer eigenen Meinung (Ja man darf auch einer anderen Meinung sein.) – und erfüllen so, die Erwartungshaltung der Mehrheit. Auf Dauer kann dieses „sich den anderen fügen“ ganz schön belastend werden. Emotionale Erschöpfung, Zynismus, bis hin zur Depression können entstehen. Und dann gibt es da noch die „Trotzfraktion“. Auch sie sind Getriebene, und verhalten sich oft bewusst überspitzt entgegen ihrer eigentlichen Ansicht. Ihr Streben nach Autonomie, kann mitunter ganz schön kräftezerrend für sie werden. Durch diese Krise können wir jedenfalls lernen, unser eigens Verhalten besser zu verstehen. Wir können den Herbst also dazu nutzen, unseren Fokus wieder mehr auf unsere Person – und besonders unser Verhalten in dieser Krise – zu richten.

FRAGENKATALOG





Dabei kann man sich fragen, ob man mitfühlend ist?


Ob man sich gut in die Lage anderer hineinversetzen kann?


Ob man selbst Existenzängste hat?


Ob man vorschnell urteilt?


Ob man andere Meinungen respektiert?


Ob man generell Probleme hat, sich fremdbestimmen zu lassen?


Oder ob man sowieso dazu neigt, sich lieber leiten zu lassen?


Ob man Dinge hinterfragt?


Ob man ängstlich veranlagt ist?


Ob man wirklich umsichtig ist?


Ob man von alten Glaubenssätzen beeinflusst wird?


Ob man zum Verdrängen neigt?


Ob man dazu neigt, andere herabzusetzen?


Ob man sich genug um sich selbst kümmert?


Oder aber, man fragt sich schlichtweg, wie man sich fühlt?




 
Es gibt so viele Erkenntnisse, die wir dank dieser Situation über uns gewinnen können. Wir müssen es nur zulassen. Es wäre schade diese Chance verstreichen zu lassen. Also macht es euch gemütlich, nutzt die Zeit für ein ausgedehntes Bad oder einen langen Spaziergang und lasst die letzten Monate einmal ganz bewusst auf euch wirken…Traut euch hinzusehen!

Geh in dich hinein und hole das Wissen aus deinem eigenen Selbst heraus. Du bist das größte Buch, das jemals war und jemals sein wird. Alle äußere Belehrung ist vergebens, solange der innere Lehrer nicht erwacht. Es muß dazu führen, daß das Buch des Herzens sich öffnet, um wertvoll zu sein.

Swami Vivekânanda
(Hinduistischer Mönch 18631902)

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